Samstag, 17. November 2018



Bericht und Fotos von Sabine Bolwin

Aurich. Das satte Blubbern ihres Motors klingt wie Musik, ihr Duft nach Benzin und Chromputzmittel wirkt geradezu betörend und ihr Name verheißt Freiheit und Abenteuer - seit hundert Jahren ist die Harley-Davidson der Inbegriff des Motorradfahrens. In Milwaukee imamerikani schen Bundesstaat Wisconsin wurde 1903 die erste Harley konstruiert.

Der Prototyp, der von dem technischen Zeichner Bill Harley, dem Modellschreiner
Arthur Davidson und seinem Bruder Walter, der Eisenbahnmaschinist war,
gebaut wurde, erinnerte noch stark an ein Fahrrad, besaß einen zwei PS starken
Einzylindermotor von 167 Kubikzentimetern. 1907 rüstete man den Motor auf
500 Kubikzentimeter und vier PS auf. Auch die revolutionäre Vordergabel mit
Federung wurde indiesem Jahr eingeführt. 1909 kam mit
dem V-Twin der erste Zwei-Zylinder-Motor auf den Markt.

Nach und nach kamen Kupplung, Sattelfederung, Kette,
Getriebe, Kickstarter, Gangschaltung, elektrisches Licht
und Batteriezündung hinzu. Schon 1925 war Harley-
Davidson mit Vertragshändlern in 67 Ländern Weltmarkt-
führer und ein Kultobjekt. Zum absoluten Mythos wurde
die Harley-Davidson durch den 1969 entstandenen Film
"Easy Rider" von und mit Dennis Hopper und Peter Fonda.

Das coole Lebensgefühl, das in diesem Streifen vermittelt wurde, hat es wohl auch einer Hand voll Motorradfans aus Ostfriesland angetan. Vor 25 Jahren gründeten sie in Ochtelbur den Motorrad Club "Ride or Die" - zu Deutsch "fahren oder sterben". Ein paar umgebaute Hondas bildeten damals noch den Harley-Ersatz, denn für's Original fehlte das nötige Kleingeld. Treffpunkt war eine Holzhütte, später ein alter Bus am Kunstschuppen - der bei einigen Ochtelburern allerdings auf wenig Gegenliebe stieß.


Harley mit Fußkupplung und Handschaltung:
die Panhead, Bj. 1951
Ende der 70er Jahre luden die Jungs Gleichgesinnte aus ganz Deutschland zu Ihrem ersten Biker-Treffen auf einer Weide am Bangsteder Verlaat ein, die ein Bauer zur Verfügung gestellt hatte und über tausend kamen. Seitdern ist dreitägigie Bikertreffen bei "Ride or Die" jeweils am ersten Augustwochenende zu einem festen Termin für Harley-Fans aus dem In- und Ausland geworden.

Seit- zwanzig Jahren wird rund um einen alten Bauernhof in Westersander gefeiert, den der Motorradclub von Landwirt Jann Saathoff und seiner Frau Maria zur Verfügung gestellt bekam. Die Mietzahlungen leisten die Clubmitglieder in Form einer Renovierung des damals noch baufälligen Gebäudes

Mittlerweile ist der Bauernhof zu eine schmucken Treffpunkt die Biker, ihre Familien, Freunde und Nachbarn geworden: Die einstigen Wohnräume und das Dach wurden ausgebaut, mehrere Thekenbereiche und Bühnen errichtet und ein Biergarten mit einem großen Vordach angelegt.


Natürlich durfte auch eine Werkstatt nicht fehlen. Denn gleich nach den gemeinsamen Ausfahrten an den Wochenenden ist das"Schrauben" an den Motorrädern für die HarleyFans die zweitliebste Beschäftigung.
Mit der Original-Version seines Motorrades gibt sich nämlich kein Harley-Fahrer zufrieden. Da müssen immer
ein paar Spielereien eingebaut werden", verrät Rolf Pupkes, der seit über zwanzig Jahren zum Club gehört.
Die Leidenschaft für die Harley hat ihn -wie auch seine derzeit 14 Clubkameraden- zu "Ride or Die" geführt.

Nicht jeder, der sich für die Zuverlässigkeit einer Harley, ihren Sound und ihr Fahrgefühl begeistert, kann in dem ostfriesischen Motorradclub Mitglied werden. Die Vorausetzungen: er muss eine Harley besitzen "oder zumindest eine BMW", so Pupkes - und männlichen Geschlechts sein.

"Fremde müssen erst einmal eine einjährige Kennenlern- Phase und anschließend eine zweijährige Probezeit absolvieren. In dieser Zeit stellt sich heraus, ob der Neuling in unseren Kreis passt oder nicht. Für böse Buben ist bei uns kein Platz, die wilden Rocker-Zeiten sind vorbei", erklärt Rolf Pupkes. Erst nach bestandener Probezeit darf der "Neue" das Clubabzeichen auf seiner Kutte führen.

Das "Wappentier" ist ein feuerspeiender Löwe. "Den haben wir mal auf einer Tomatenkiste entdeckt", gesteht Pupkes schmunzelnd.

Wer die Kutten von "Ride or Die" tragen will,
muss eine lange Pobezeit absolvieren.

MC RIDE OR DIE · Burghörner Straße 9 · 26632 Ihlow-Westersander · Telefon: 04945 - 1334 || info@ride-or-die.de